Drei Fragen an … Andreas Riedl

27.02.2019

Im Projekt "ORF Sommergespräche: Strategien, Images und Themen im politischen Fernsehinterview" wurden mehr als 19.000 Gesprächsbeiträge von JournalistInnen und PolitikerInnen analysiert.

Im Projekt "ORF Sommergespräche: Strategien, Images und Themen im politischen Fernsehinterview"1 wurden mehr als 19.000 Gesprächsbeiträge von JournalistInnen und PolitikerInnen aus 125 Sendungen analysiert, die zwischen 1981 bis 2016 ausgestrahlt wurden. Der Datensatz ist jetzt bei AUSSDA verfügbar. Andreas Riedl, Autor der Studie, haben wir dazu um ein kurzes Interview gebeten.

Worum geht es in ihrer Studie?

Es ist ja ein etwas überstrapaziertes Zitat von Niklas Luhmann, dass wir alles, was wir über Gesellschaft wissen, durch Medien wissen – aber es stimmt natürlich und trifft auf Politik besonders zu. Was BürgerInnen über politische Prozesse und ihre RepräsentantInnen wissen, das erfahren sie mehrheitlich durch Journalismus – und in Österreich ist Fernsehen nach wie vor die Anlaufstelle Nummer 1. Vor diesem Hintergrund haben wir alle „ORF Sommergespräche“ seit deren Erstausstrahlung 1981 – damals noch unter anderem Namen – bis 2016 analysiert. Dabei haben wir uns alle Einzelstatements der jährlich interviewten Parteivorsitzenden und der InterviewerInnen angeschaut und ausgewertet, welche Themen besprochen werden, welche Gesprächsstrategien sie anwenden und damit auch, wie Deutungsmacht zwischen Journalismus und Politik verhandelt wird.

Was ist aus Ihrer Sicht das Spannende an der Studie?

Zum einen fokussiert sich die bisherige Forschung stark auf TV-Formate während der Wahlkämpfe – oftmals sogenannte „TV-Duelle“ –, dabei sind natürlich auch Sendungen in Regierungszeiten ganz spannende und aufschlussreiche Quellen um zu erfahren, wie das Zusammenwirken von Journalismus und Politik quasi im „Alltagsmodus“ funktioniert. Zum anderen erlauben unsere Daten zum ersten Mal einen Zeitvergleich über lange 35 Jahre, in denen die „Sommergespräche“ in einem vergleichbaren Setting ausgestrahlt wurden. Über mehrere Jahrzehnte hat sich medial wie politisch natürlich einiges getan und unser Projekt kann erstmals Einblick geben, wie sich das auf die unmittelbaren Interaktionen von JournalistInnen und PolitikerInnen auswirkt.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, die Daten zu veröffentlichen?

Wissenschaft lebt von Austausch, Transparenz und Nachvollziehbarkeit und da ist es logische Konsequenz, Datensätze öffentlich zu machen – das gilt vor allem für anwendungsoffene Drittmittelprojekte wie dieses, das durch die Stadt Wien finanziert wurde. Zudem denke ich steckt noch sehr viel in diesen Daten, was wir noch nicht analysieren konnten, und wir freuen uns, wenn andere ForscherInnen zu einem noch tieferen Verständnis beitragen wollen.

1Initiierung: Prof. Dr. Jens E. Tenscher (†)

  • Mag. Andreas Riedl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Dort arbeitet er in der Arbeitsgruppe "Media, Politics & Democracy" unter der Leitung von Dr. Josef Seethaler.
A black and white photo of a man
Andreas Riedl (Foto: Mateusz Wiglinzki - wiglinzki.de)