Drei Fragen an... Eva Pölzl-Stefanec

30.08.2022

Die Interaktion zwischen pädagogischen Fachpersonen und Kindern in Betreuungseinrichtungen spielt eine entscheidende Rolle für Kindeswohl und Chancengerechtigkeit. Eva Pölzl-Stefanec stellt im AUSSDA Interview die Grazer Interaktionsskala vor – ein Tool, mit dem sich die Interaktionsqualität messen lässt.

 

GrazIAS ist ein Messinstrument für die Interaktionsqualität der außerhäuslichen Bildung und Betreuung. Bitte beschreiben Sie uns, wie dieses Tool funktioniert.

Mit Hilfe der GrazIAS kann die Performanz der Interaktionsgestaltung jeder einzelnen Fachperson mit den Kindern gemessen werden. Die GrazIAS wurde in den letzten drei Jahren auf der Basis von aktuellen wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse entwickelt und mit Expert:innen validiert. In der GrazIAS werden Aspekte altersadäquater, entwicklungsförderlicher Interaktionsqualität detailliert beschrieben. Diese bilden die Grundlage für gute Lehr-Lern-Prozesse und Kindeswohl. Die Aspekte werden im Rahmen von nicht teilnehmender Beobachtung durch geschulte Erheber:innen anhand festgelegter Indikatoren auf einer Skala von "unzureichender Qualität" über "minimale" bis hin zu "guter" und "ausgezeichneter Qualität" bewertet. Der Beobachtungszeitraum ist für vier bis fünf Stunden angesetzt. Die Erhebung ist neben einer Papierversion auch mit einer ressourcenschonenden und zeitsparenden digitalisierten Version (App) möglich. Die GrazIAS ist auch im internationalen Umfeld einsetzbar und steht sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zur Verfügung. Bisher liegen erste Daten aus Erhebungen aus Österreich, Deutschland, Italien, Portugal, Slowenien, Ungarn und weiteren nationalen Projekten vor. Der Datensatz wird kontinuierlich erweitert und die Veröffentlichung der Daten in regelmäßigen Abständen aktualisiert.

 

Warum ist es wichtig, Interaktionen zwischen Betreuer*innen und Kindern in Betreuungseinrichtungen zu evaluieren?

Da eine hohe Qualität in elementaren Kinderbildungs- und -betreuungsinstitutionen im Allgemeinen, und eine hohe Interaktionsqualität im Besonderen, für die Entwicklung und das Wohlbefinden von Kindern zentral ist, stehen auch die Qualitätsentwicklung und -sicherung zunehmend im Fokus der frühkindlichen Forschung und Praxis.

Neben der Sicherung des Wohlbefindens der Kinder ist es Aufgabe der elementarpädagogischen Fachpersonen, die Lernprozesse des Kindes aktiv zu begleiten. Gute Interaktionsqualität in Kinderkrippen und Kindergärten trägt zu Chancengerechtigkeit und höheren kognitiven und sozial-emotionalen Fähigkeiten bei Kindern bei.

Die GrazIAS 0-6 kann neben dem wissenschaftlichen Kontext auch im Kontext der Qualitätssicherung und -entwicklung vor Ort eingesetzt werden.

 

Warum haben Sie sich entschieden, die Daten für die Forschung zugänglich zu machen?

In einem gesellschaftlich relevanten Bereich (über 90% der heranwachsenden Generation besucht in Europa eine elementarpädagogische Einrichtung), ist es wichtig neben dem Ausbau an Plätzen auch die Qualität in den Einrichtungen zu sichern und weiterzuentwickeln. Damit schließen wir auch an den Sustainable Development Goals 4 „Quality Education“ und 10 „Reduced Inqualilities“ an. Die kontinuierliche Veröffentlichung des GrazIAS-Datensatzes, sichert zum einen eine zentrale und einheitliche Darstellung des Datenbestandes und leistet einen Beitrag zum Forschungsmanagement im Bereich der Elementarpädagogik.

Dabei wird das Ziel verfolgt, unabhängig von kommerziellem Interesse einen internationalen Datensatz über mehrere Jahre aufzubauen, welcher unter anderem Studien mit anderen Forschungsfragen und auch Langzeitstudien ermöglicht.

 

Für das Projektteam

 

Projektteam

  • Manja Flöter, staatlich anerkannte Erzieherin mit Praxiserfahrung, Studium der Psychologie, als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Professionalisierung der Elementarpädagogik der Universität Graz, Standort Berlin, tätig.
  • Claudia Geißler, ausgebildete Kindergartenpädagogin mit Praxiserfahrung, Studium der Sozialpädagogik mit Schwerpunkt Elementarpädagogik, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Professionalisierung der Elementarpädagogik der Universität Graz tätig.
  • Dr.in Mailina Petritsch, ausgebildete Kindergartenpädagogin, Studium inkl. Doktorat in Elementarpädagogik, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums für Professionalisierung der Elementarpädagogik der Universität Graz tätig.
  • Univ.-Prof.in Dr.in Catherine Walter-Laager, dipl. Kindergärtnerin mit Praxiserfahrung, Co-Leitung des Arbeitsbereichs Elementarpädagogik, Leitung des Zentrums für Professionalisierung der Elementarpädagogik an der Universität Graz.
Foto von Eva Pölzl-Stefanec.

Eva Pölzl-Stefanec.