Zwischen Data Sharing und Datenschutz

15.10.2019

Ende September fand der diesjährige ÖFEB-Kongress an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich in Linz statt. Unter dem Motto „Vermessen?“ standen Forschungsdaten und Evidenzen im Mittelpunkt der Veranstaltung. Der Beitrag von AUSSDA beschäftigte sich mit der Vereinbarkeit von Open Data und Datenschutz.

Hat die Bildungsforschung genügend bzw. die richtigen "Evidenzen", um Bildungsprozesse sinnvoll zu steuern? Welche Daten werden von wem wie und warum genutzt, welche nicht und warum nicht? Diese und weitere Fragen rund um die Bedeutung von Daten und Evidenzen in der Bildungsforschung standen im Fokus des Kongresses der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB). Unter dem Titel "Vermessen?" wurde das Verhältnis von Bildungsforschung, Bildungspolitik und Bildungspraxis vor dem Hintergrund der Evidenzorientierung thematisiert.

Der Kongress

Eine wissenschaftlich fundierte Bildungspraxis erfordert sowohl theoretisch begründete als auch empirische gesicherte Forschungsergebnisse, die sich wiederum auf eine qualitativ hochwertige Datenlage stützen. Datenarchive und Repositorien spielen eine immer wichtigere Rolle, da sie die Bereitstellung vorhandener Daten für die Forschung sicherstellen. In der Bildungsforschung sind unter anderem Daten aus Schulleistungsüberprüfungen wie jene der Bildungsstandards (BIST) von Interesse. Diese werden von der Forschungsdatenbibliothek (FDB) des Bundesinstituts für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) archiviert und für die wissenschaftliche Sekundärnutzung zur Verfügung gestellt. Interessierte TeilnehmerInnen des ÖFEB-Kongresses konnten sich am Infostand des BIFIE über den Datenbestand der FDB und die Nutzungsbedingungen für Forschende informieren. Darüber hinaus bieten internationale Datenzentren Nachnutzungsmöglichkeiten von Daten zu internationalen Schulleistungsstudien, wie PISA, PIRLS oder TIMSS.

AUSSDAs Beitrag

Aber auch Erhebungsdaten spezifischer Einzelprojekte bleiben nach Abschluss eines Forschungsvorhabens eine wertvolle wissenschaftliche Ressource und können bei AUSSDA archiviert und verfügbar gemacht werden. Dies wird auch zunehmend von Fachjournals und Fördergebern von den DatenproduzentInnen gefordert. Gleichzeitig - mit der zunehmenden Erwartungshaltung in Richtung Open Data - haben aber auch die Anforderungen an Forschungsethik und Datenschutz stark zugenommen (Stichwort: DSGVO). Gerade in der Bildungsforschung sind häufig (sensible) personenbezogene Daten im Spiel, wodurch die Vereinbarkeit von Data Sharing und Datenschutz zu einer Herausforderung wird. Der Kongressbeitrag von AUSSDA-Teammitglied Otto Bodi-Fernandez gab daher einen Einblick in die Möglichkeiten und Grenzen des offenen Datenzugangs. Am Beispiel von AUSSDA wurden die verschiedenen Strategien zur Vereinbarkeit der unterschiedlichen Anforderungen diskutiert: Durch die richtige Kombination aus informierter Einwilligung der StudienteilnehmerInnen, Anonymisierung und angemessenen Zugriffsbeschränkungen können auch sensible Daten für die Forschung nachnutzbar gemacht werden, ohne gegen Datenschutzbestimmungen oder ethische Grundsätze zu verstoßen. Wichtig ist, dass Forschende über die Möglichkeiten Bescheid wissen und die Archivierung und Bereitstellung ihrer Daten nach Projektende über alle Projektphasen mitdenken - sprich: von Beginn an sorgfältiges Datenmanagement betreiben.

Otto Bodi-Fernandez am ÖFEB-Kongress in Linz. (Foto: privat)